Kulturredaktion, Heilbronner Stimme 22.07.2013
Wenn fünf Musiker einheizen - von Uwe Deecke

Neckarsulm - Hochsommerliche Temperaturen zum Hot Jazz der Zwanziger Jahre. Manch einem wäre ein ungesetzliches Konzert draußen im Biergarten lieber gewesen. So gab es im ausverkauften Hitzfelder eine heiße Zeitreise zurück in die Zeit als Duke Ellington und Louis Armstrong die ersten Erfolge feierten.


Sie kommen ohne Schlagzeug aus, die fünf Musiker um Werner Heil, der auch bei diesen Temperaturen seine gute Laune nicht verliert. Vor ihm steht sein Kollegium: Peter Horrer an der Posaune, Erwin Kornherr am Sax und in der Mitte Trompeter Martin Moser, der Mann für die speziellen Soli. Hans Haschka darf sitzen, denn er bedient mit seinen weißen Handschuhen die schwere Tuba, und René Jensen sitzt am Piano.

Präzision
Sie halten sich nicht lange auf und tauchen ein in die Welt des Hot Jazz und der Songs von Duke Ellington. Das Banjo von Werner Heil macht den Rhythmus, vorne spielt der Bläsersatz mit perfektem Timing und Präzision. Auch ein Horn hat Martin Moser dabei, ebenso wie seine Zugtrompete, der er besondere Soli entlockt - und auch manch selbst geschriebenes, wie den "Sad Man Blues", den er auch singt.


Sommerpause

Es ist die Musik, die auch Woody Allen in seinen Filmen gerne spielt: kurzweiliger Swing der Roaring Twenties, der von den Bläsern lebt und der auch nach 100 Jahren noch funktioniert. Auch Sidney Bechet haben sie im Repertoire oder Hoagy Carmichael, den man nur durch seine Songs kennt, die von den ganz Großen der Zeit aufgegriffen und gespielt wurden. Gegen Ende nehmen sie das Tempo raus und widmen sich dem Blues aus New Orleans. Eine Zugabe ist fest eingeplant, Temperaturen hin oder her, bevor man sich in die Hitzfelder-Sommerpause verabschiedet.

Das Oldtime Jazz Collegium gab im Hitzfelder
wieder alles. Foto: Uwe Deecke

Hier der Bericht im Original
Kulturredaktion, Heilbronner Stimme 18.08.2010
Die dem Affen ordentlich Zucker geben - von Michaela Adick
Heilbronn - Man vergisst so leicht, wie jung der Jazz doch ist. Vor nicht einmal 100 Jahren entstand die erste verbürgte Jazzplatte: Im Februar 1917 betrat die Original Dixieland Jass Band um ihren Trompeter Nick LaRocca ein Tonstudio. Acht Jahre später setzte Louis Armstrong mit seinen Hot Five einen ganz eigenen Standard. Die Jazzgeschichte nahm ihren Lauf.

Ausgelassen
Das Oldtime Jazz Collegium, ein Sextett aus der Region Heilbronn, hat sich ganz und gar diesen Anfangsjahren des Jazz verschrieben: Mit einer gelungenen Mischung aus Hot-Five-Jazz im Stile Armstrongs, Duke Ellingtons Jungle-Style und dem New Orleans Jazz eines Sidney Bechet begeisterten die Freizeitmusiker nun ihr Publikum im Waldhaus. Aus allen Nähten platzt das Freizeitheim schräg gegenüber dem Jägerhaus an diesem Abend, und das Oldtime Jazz Collegium nutzt die ausgelassene Stimmung weidlich aus. Wer sagt denn, dass man auf der Bühne spielen muss? Immer wieder schaut Klaus Giesa, der umtriebige Posaunist, im Publikum nach dem Rechten. Und so nimmt der unterhaltsame Abend, der in jeglicher Hinsicht aus der Zeit fällt, auf und vor der Bühne seinen Lauf, ganz nach dem Motto: Nicht für die Noten spielen wir, sonders fürs Publikum. Wie sie dem Affen Zucker geben.

Ohne Schlagzeuger
Dabei hat das Sextett um Werner Heil (Banjo, Gesang), das ohne Schlagzeuger, dafür aber mit einer dreiköpfigen Bläser-Section spielt, schon seit ewigen Zeiten keinen Probenraum mehr gesehen. "Es ist doch schon schwierig genug, meine Kollegen für die 20 bis 30 Konzerte im Jahr unter einen Hut zu bringen", so der Brackenheimer Werner Heil amüsiert.
Direkt am Publikum fühlen sie sich am wohlsten. Hier reifen die Stücke. Etwa die Eigenkomposition ihres Trompeters Martin Moser, "Sad Man Blues". Denn eines ist klar: Die Geschichte des Oldtime Jazz ist noch lange nicht zu Ende geschrieben. Nahtlos fügen sich die ach so traurigen Männer Martin Mosers an Irving Berlins Evergreen "Alexander"s Ragtime Band": dem großen Hit des Jahres 1911.
Fränkische Nachrichten 18.12.2008
Die Zugaben gab's mitten im Saal -von Reinhard Haas
Beim lockeren und ungezwungenen Spiel des "Oldtime Jazz Collegium" sprang der Funke auf Publikum über
Oberlauda. Jazztime in der Turnhalle Oberlauda! Geht das überhaupt gut? Offensichtlich ja, denn eine ansehnliche, wenn auch übersichtliche, Anzahl von Jazz- und Bluesliebhabern hatte am vergangenen Sonntagabend den Weg nach Oberlauda gefunden, um sich vom "Oldtime Jazz Collegium" aus Brackenheim musikalisch und auch gesanglich verwöhnen zu lassen....
Hier der Bericht im Original
Kulturredaktion, Heilbronner Stimme 11.04.2005
Blitzendes und tönendes Blech -von Monika Köhler
Das Oldtime Jazz Collegium aus Brackenheim sorgte bei der Metropolitan Jazz Night in Heilbronn für gute Unterhaltung

Zwischen italienischen Häppchen und schwäbischem Wein glänzen im Autohaus Stadel die Bleche der Instrumente, aus denen amerikanischer Jazz von 1910 bis 1930 erklingt, und die Metallic- und Pearl-Lackierungen deutscher Nobelkarossen um die Wette. Manches Mal mischt sich ein aufheulender Motor der während der Metropolitan Jazz Night vorgestellten neuen BMW-Reihe in das fröhliche Spiel des Oldtime Jazz Collegium.
Aber ernsthaft Konkurrenz machen kann der Zehnzylinder dem geschmeidig eingespielten Team nicht, dessen sechs Musiker aus Brackenheim, Löwenstein und Güglingen seit vier Jahren dem wahren Oldtime Jazz frönen - vom New Orleans Style über den Dixieland bis zum Swing. Und das alles ohne Schlagzeug, was rhythmisch gesehen zwar schwieriger ist, aber dafür den Bläsersatz besser zu Geltung bringt.
Der kann sich wirklich hören lassen: Strahlende Riffs, abgelöst von butterweichen Tupfern, für die Martin Moser an der Trompete und Klaus Giesa an der Posaune wie auf Samtpfoten daherkommen. Während Hansi Haschka am Sousaphon für dunkel fließenden Hintergrund sorgt und Erwin Kornherr an verschiedenen Saxofonen zauberhaft melodiöse Akzente setzt. Dazu kommen René Jensen am Keyboard und Bandleader Werner Heil, der dem Ganzen am Banjo den charakteristischen Sound verpasst und mit seinem Gesang zur persönlichen Note beiträgt.
"At the Jazzband Ball", "Ain't she sweet", "Dinah" und der legendäre "St.-Louis Blues": Wer könnte da nicht ins Schwärmen kommen? Und wenn Heil und Kornherr durchs umgebaute Mikrofon den Tonfall alter Schellack-Schallplatten nachahmen, gibt es dann noch Schöneres, als sich zum Schwelgen in nostalgischen Sphären davontragen zu lassen?
Gut aufgelegt und spritzig sorgt das Ensemble mit Werken seiner Lieblingskomponisten Nick La Rocca, Duke Ellington und Irving Berlin sowie eigenen Kompositionen wie "Klaus geht nach Hamburg" eine Nacht lang für gute Unterhaltung. Beruflich mit anderen Dingen konfrontiert, sehen die Mitglieder der Band das gemeinsame Musizieren als Ausgleich zu ihren Tätigkeiten als Bautechniker, Ingenieur oder Kaufmann an.
Kulturredaktion, Heilbronner Stimme 31.03.2005
Großes Hallo, schummriges Licht, stimmungsvolle Sessions - von Ulrike Maushake
Erster Montag im Monat: Jazztag im "Ochsen" in Frauenzimmern. Eintritt frei. Im Clubsaal tagt, wie immer, das "Oldtime Jazz Collegium", und es ist brechend voll.Lauter Leute, die unvermutet lauter Leute getroffen haben, die sie kennen, großes Hallo auf allen Seiten.
Schummriges Licht, das von Lampen kommt, die die Form alter Wagenräder haben. Und eine junge Frau flitzt mit vollbeladenem Tablett durch den Saal und ruft: "Aus dem Weg!" Das ist Manuela Rasmussen, die Ochsen-Wirtin. Ihr Mann Martin, auch als "der große Däne" bekannt, kocht. Im Ochsen ist nicht nur Jazztag. Manuela und Martin Rasmussen feiern derzeit Jubiläum: Vor zehn Jahren haben sie die Gaststätte übernommen.
An den Tischen im Saal sitzen vornehmlich Menschen in der Lebensmitte - "ein Begriff", so philosophiert einer der Gäste, "der nach oben offen ist". Die Gespräche drehen sich um Kinder, die aus dem Gröbsten raus und Enkelkinder, die im Gröbsten drin sind. Über alte Liebschaften wird geredet und über neue. Und eine Frau in rotem Pulli lächelt über den Rand ihrer Lesebrille dem Herrn gegenüber zu. Weil sich auch bei Menschen um die 50 noch immer alles um die Liebe dreht.
Und mitten in diesem Trubel Werner Heil, Maschinenbauer und Gitarrist, mit seinen Jungs vom Oldtime Jazz Collegium. Wusste nichts vom Jubiläum, steht auf einmal vor einem Riesenpublikum. Dabei hat die Basstuba Urlaub. Und der Mann an der Posaune, Klaus Giesa, wollte mal den Kontrabass bedienen. Und der Mann an der Trompete, Martin Moser, wollte es mal mit dem Flügelhorn probieren. Und außerdem haben sie eine Sängerin dabei. Gudrun Mohacsi singt zum ersten Mal mit dieser Band.So sei das, an diesen Montagen, sagt Werner Heil. Die Auftritte hätten keinen Konzertcharakter. Es seien eher öffentliche Proben. Sessions. Und sie würden gerne immer wieder mal mit neuen Musikern spielen. Das Lockere, Unverkrampfte, komme gut an. Der Zulauf des Publikums wachse stetig.
"My heart belongs to my Daddy", flötet und raunzt Gudrun Mohacsi und kuschelt sich in den Bistro-Stuhl, jung und zierlich. Ihre Stimmlage ist sehr angenehm. Die Musiker finden sich langsam ein, machen ihre Sache glänzend. Das Saxophon von Erich Kornherr löst das Flügelhorn ab und improvisiert ein bisschen vor sich hin - wie sich das gehört. Freundlicher Applaus.
"Das war doch gar nicht schlecht, für das erste Mal", sagt der Gitarrist. Der große Däne in der Küche klopft seine Schnitzel, als wolle er das Schlagzeug ersetzen. Der Philosoph ist in seinen Ausführungen inzwischen bei den "Entweder-oder-Typen" angelangt. Und dass er mehr der "Sowohl-als-auch-Typ" sei. Die Frau im roten Pulli schiebt ihrem Gegenüber verstohlen ihre Adresse zu, derweil die Sängerin einen warmen Sommertag besingt: "Hush, little Baby, don't you cry".